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Hübsche Grüße aus dem Orient – Sammlerstücke auf wilden Wegen

Sphinx mit Pyramiden Sphinx mit Pyramiden

Die lokale Sehenswürdigkeit auf Postkarte und Briefmarke gleichermaßen getroffen, an Ort und Stelle abgestempelt: heute ist die so gestaltete Maximumpostkarte ein exotisch philatelistisches Liebhaberstück. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts aber war es der Reiz des scheinbar tatsächlichen »Vor-Ort-gewesen-Seins«, das diese Form der Bilderinnerung zum beliebten Sammlerstück der höheren Gesellschaft machte.

nacktes Mädchen Entblößte Ägypterin – begehrtes Motiv für sittenbeflissene Europäer

Das bürgerliche Heim mit den Bildern ferner, damals noch unerreichbarer Gestade zu schmücken, war so populär, dass es einem Zeitgenossen ermöglichte, schreibend und grüßend durch den Orient zu reisen und ein Geschäft daraus zu machen: »Internationale Weltreise – Europa – Josef Steinlehner & Co.«. 1881 in Pfeffenhausen bei Landshut als Sohn eines Tagelöhners geboren sollte Josef Steinlehner bis 1926 und womöglich darüber hinaus in vier Unternehmungen den Orient bereisen: auf verschiedenen Routen durch Südeuropa, Kleinasien und Afrika.

Tunnel bei Ljutibrod Tunnel No. 45 bei Ljutibrod mit motivgleicher Briefmarke

Kein Tagebuch und keine langen Briefe geben Aufschluss von den abenteuerlichen Touren dieses Weltenbummlers, lediglich seine Maximumkarten, die er an Auftraggeber nach Europa und Übersee verschickte, zeugen von besuchten Orten und Stätten. Erich Wasem, Emeritus der LMU München, hat die Karten aufgefunden, katalogisiert und anhand ihrer Motive und Aufschriften den Weg der Reisen Josef Steinlehners rekonstruiert.

Tanger Altes Viertel in Tanger

Herausgekommen ist ein kleines aber stattliches Werk, das jüngst im Herbert Utz Verlag erschienen ist: »Durch den Orient als freier Mensch. Die Maximumpostkarten des Afrika-Reisenden Josef Steinlehner, ein reich bebilderter Hardcover-Band im Querformat, zeigt einen farbenprächtigen Orient und Momentaufnahmen eines zaghaft beginnenden Tourismus. Jerusalem, Gizeh und Tanger – damals wie heute Orte mitteleuropäischer Reisesehnsüchte – finden sich in prächtigen Illustrationen mit originalen Postwertzeichen und Abstempelungen, die ein politisches Lokalportät zeichnen und von den teils konfusen Machtverhältnissen künden.

Muezzin Muezzin in Tunis

Von Steinlehner selbst ist weiterhin wenig bekannt: Plötzlich, um das Jahr 1926 herum, reißt seine Spur am Horn von Afrika ab. Er hinterließ nichts, als er von München aus in die Welt zog, um sein Glück zu machen – doch erhalten blieb ein Stapel von Kleinodien, die hier zum ersten Mal zugänglich gemacht werden. Zusammen mit zwei weiteren Bildbänden, über den deutschen Fernsehturm und über Postvermerke des 15. bis 17. Jahrhunderts, befinden sich nun drei Bände zur Kommunikationsgeschichte im aktuellen Programm des Herbert Utz Verlags.

Reiter Arabischer Reiter

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