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Bunt, bunter, Heilsrahmen - religiöse »Bilderbücher« des Spätmittelalters

Mönch »Stundenbuch von Gillette von der Ee«, südliche Niederlande, Kalender weist auf Tournai um 1470. (Abbildung: Privatbesitz)

Ob kleine Anstecknadeln, T-Shirts oder Aufkleber aus bereisten Ländern und Orten, die so manchen Koffer schmücken: kleine Souvenirs stehen seit jeher hoch im Kurs und ziehen einen ganzen Industriezweig nach sich. Derartige »Ich-war-da«-Beweise aus aller Welt, die meist alle unter dem Oberbegriff »Made in China« zusammengefasst werden können, werden mit Leidenschaft gehortet und präsentiert. Auch im frommen Mittelalter zeigte sich eine ähnliche Mentalität, die die Kunsthistorikerin Isabel von Bredow-Klaus anhand von Stundenbüchern – kleinen Andachts- und Gebetbüchern – unter volkskundlichen, religiösen und kunstgeschichtlichen Aspekten untersucht. »Sein oder frommer Schein?«, »Realität oder Augentrug?« sind unter anderem Fragen, denen die Autorin auf den Grund geht.

Pilgerzeichen Aus dem Umkreis des Stundenbuches Soane Ms. 4. (Abbildung: London, British Library, add. Ms. 38126)

Wegen großen Erfolgs und anhaltender Nachfrage an »Heilsrahmen. Spirituelle Wallfahrt und Augentrug in der flämischen Buchmalerei des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit« bringt Isabel von Bredow-Klaus inzwischen die dritte durchgesehene Auflage des Werkes im Herbert Utz Verlag heraus. Diese Ausgabe besticht durch ihren neu gestalteten Hardcover-Umschlag und den qualitativ hochwertigen Bilderkatalog. Anhand der Vielzahl von beeindruckenden und meist farbigen Bildbeispielen zeigt sie flämische Stundenbücher, die reich verziert und mit individuellen Zeichen und Vermerken personalisiert wurden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Pilgerzeichen, die sowohl als Souvenir von einem besuchten Pilgerort, Andachtsobjekt oder magisch-religiösem Symbol in die Stundenbücher genäht oder später auch gemalt wurden.

Muscheln Meister des Gebetbuches von 1500. (Abbildung: Chantilly, Musée Condé, cat. gén. 77)

Des Weiteren bilden illusionistische Muster den Rahmen für Texte oder Miniaturabbildungen und boten dem Besitzer die Möglichkeit, sein Andachtsbuch individuell gestalten zu lassen. Beispielhaft für den hohen realistischen Anspruch an die Nachahmungen echter Pilgerzeichen und abgebildeten Verzierungen wie Blumenranken, Schmuck oder Muschelabbildungen ist die exakte Malweise und gelungene Augentäuschung der Gent-Brügger Buchmalschule: Versuchen Sie also bitte nicht, die Fliege auf dem Bild zu verscheuchen!

Pilgerzeichen_2 Légende de St. Adrian. (Abbildung: Wien, Österreichische Nationalbibliothek, cod. Ser. Nov. 2619)(

Die Frage, inwieweit solch kunstvoll gestaltete Büchlein gemäß vorgesehenem Zweck noch als Andachtsmedium verwendet wurden oder ob ihre Besitzer lediglich dem Drang nach frommer Selbstdarstellung frönten, kann mit Hilfe von Isabel von Bredow-Klaus jeder selbst entscheiden. Lassen auch Sie sich von der vielschichtigen Semantik des Themas einnehmen und entdecken Sie durch »Heilsrahmen« eine neue Sicht auf künstlerische Gestaltungsweisen und religiöse Denkweisen im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung von »Heilsrahmen. Spirituelle Wallfahrt und Augentrug in der flämischen Buchmalerei des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit« als PDF zum Download

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