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Über die Sinnlichkeit von Büchern

Unlängst titelte der Deutschlandfunk darüber, dass Wahrheit Belegbarkeit brauche, stellte dabei das Buch als greifbares Medium im wörtlichen Sinne und als Quelle von Texten in den Mittelpunkt. Dass Büchern im digitalen Zeitalter immerzu eine große Bedeutung zugesprochen wird, zeigen nicht zuletzt die Besucherzahlen der Frankfurter und Leipziger Buchmesse. Doch worin besteht der Mehrwert eines Buches, wenn doch heute alle Informationen im Netz mit einem Klick abrufbar sind?

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Das Internet vergisst nie – diesen Satz hat wohl jeder, der überlegte etwas ins World Wide Web zu stellen schon einmal gehört. Ein berühmtes Credo besagt, dass derjenige, der etwas Neues oder gar etwas technisch Neues liefert, in der Beweispflicht steht, dass eben dieses Neue auch tatsächlich eine Verbesserung des Althergebrachten darstellt. Fasst man die reine, ursprüngliche und naheliegende Funktion von Büchern als Orte der Bereitstellung von Wissen, als reiner Textkorpus ins Auge, so scheint das digitale Buch; der digitale Text tatsächlich das Rennen zu machen.

Denn nimmt man ein Buch zur Hand, stellen sich im Kopf bereits erste Fragen, die nach einer Beantwortung durch dieses verlangen. Autorinnen und Autoren sind selbst diejenigen, welche ihr Projekt mit Fragen beginnen, aus diesen erste Ideen generieren und schlussendlich einen flüssigen Text kreieren, der die Auseinandersetzung mit eben diesen Fragen sichtbar macht. Dies gilt nicht nur für Wissenschafts- und Sachbuch sondern auch für alle anderen Formen von Texten. Die Beantwortung dieser Fragen, so könnte man argumentieren, kann auch mit digital verfügbaren Wissensinhalten geschehen. Ein physisches Ding sei dafür nicht mehr notwendig.

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Denkt man jedoch über die reine Ebene des Fragens nach einem Sachverhalt und damit über den reinen Text innerhalb zweier Buchdeckel hinaus und spricht dem Buch an sich eine vermittelnde Funktion zu wird ersichtlich, warum das Buch als physisch Greifbares seinen Wert besitzt. Ein Buch dient dann nicht nur als Ort von Informationen, sondern als Quelle von Texten. Texte werden gelesen aber auch bearbeitet und verarbeitet. Sie dienen als Ursprung neuer Ideen und erschaffen sich damit selbst ein Stück weit neu. Wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten leben bis heute davon, dass neben dem Neuen, Altes zitiert und rezipiert wird. So pflanzen sich Bücher in neue Bücher fort, altes Wissen wird durch neue Aspekte ergänzt. Bis heute ist das physisch greifbare Buch wie kein anderes Medium mit Wissenstransfer verbunden.

Ein weitereres Argument ließe sich ebenso für das Buch an sich ins Feld führen: das haptische Feedback. Ein Buch verheißt Beständigkeit im Gegensatz zur weitläufigen aber auch flüchtigen Welt des Digitalen. Ist es ein Vorteil des WWW Inhalte schnell und überall verfügbar zu haben, so ist die damit einhergehende Beliebigkeit und Flüchtigkeit eben dieser Informationen die Kehrseite der Medaille. Die Informationen im digitalen Raum haben keinen festen Ort, an dem sie immerzu lagern, sie sind fluide. Ein Text, gepresst zwischen zwei Buchdeckel verspricht dahingehend Dauerhaftigkeit – das im Buch enthaltene Wissen zur Beantwortung meiner Fragen wird seinen Aufenthaltsort nicht wechseln, es sei denn ich trage dazu bei.

Ein Buch wird mit mehreren Sinnen erlebt, es kann berührt, gerochen und gelesen werden. Ein Text im WWW erscheint dahingehend kalt und distanziert. Das Buch erscheint wahrhaftiger, greifbarer und persönlicher als sein digitaler Zwilling. Seinen kulturellen Mehrwert als verlässlicher und beständiger Wissensspeicher wird das Buch dahingehend weiterhin behalten. Nicht zuletzt, weil wir im Herbert Utz Verlag dafür sorgen werden, dass Wissen weiterhin mit allen Sinnen erlebt wird.

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