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Simone Egger: Phänomen Wiesntracht · Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft.

Simone Egger

Phänomen Wiesntracht · Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft.

Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest

München und das Oktoberfest. Einmal im Jahr verdichtet sich die Atmosphäre der Stadt. Braurösser und Karussellpferde drehen ihre Runden, ein satter Geruch von Bier, Hendln und Zuckerwatte liegt in der Luft. Die Weltstadt mit Herz veranstaltet das größte Volksfest der Welt. Millionen von Besuchern strömen auf die Theresienwiese, ausstaffiert mit Symbolen wird der Festplatz zur Bühne und nicht nur die Schickeria feiert sich selbst. Die Stimmung ist aufgeladen, München befindet sich im Rausch. Seit einigen Jahren nun besuchen immer mehr junge Menschen das Spektakel in Tracht. Insbesondere Dirndl und Lederhosen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, bereits in den Sommermonaten werben zahllose Anzeigen und Prospekte für Trachtenkreationen. Heimat spielt dabei eine gewichtige Rolle, beständig zur Sprache kommen Tradition und Authentizität. Was aber führt zu einem derartigen Phänomen? Aus welchen Gründen sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts im urbanen Raum Dirndl und Lederhosen angesagt? Und welche Faktoren wirken auf die Besucher und ihr Festgewand? Die Untersuchung widmet sich der neuerlichen Trachtenbegeisterung rund um die Theresienwiese, fragt nach der Vergangenheit, dem Kontext der Erscheinungsform in der Gegenwart. Die Wahl derart besetzter Kleider scheint nicht allein modischer Trend, der Diskurs um Dirndl und Lederhosen vermag auf tiefer gehende Befindlichkeiten der Akteure zu verweisen. Vor den Augen einer globalen Öffentlichkeit werden die Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft zum lokalen Spezifikum, das Phänomen Wiesntracht nimmt Bezug auf die Entwicklungen einer spätmodernen Stadt.

  • broschiert: 140 Seiten
    Format: 20,5 x 14,5
    ISBN 978-3-8316-0831-7
    Erschienen: 28.08.2008

    29,00 € (Preisbindung aufgehoben)

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  • E-Book: 140 Seiten
    Format: 20,5 x 14,5
    ISBN 978-3-8316-0831-7
    Erschienen: 28.08.2008

    21,99 € (Preisbindung aufgehoben)

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Über die Autorin

Simone Egger M.A. ist in den Bereichen Film-, Fernseh- und Theaterausstattung tätig. Studium der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, Ethnologie und Kunstgeschichte in München. Derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Auszüge aus Rezensionen

  • Und welche Faktoren wirken auf die Besucher und ihre Festkleidung? Die Untersuchung widmet sich der Renaissance der Trachtenbegeisterung rund um die Theresienwiese, fragt nach der Vergangenheit und dem Kontext dieser Kleidungsart in der Gegenwart.

    Seite 4 http://www.seite-4.com/page.php?modul=Article&op=read&nid=1876&rub=7 (20. September 2008)

  • Die vorliegende Publikation ist eine grundlegende Studie, die sich einer lokalspezifischen Kulturpraxis widmet. Sie liefert nicht nur empirische Grunddaten, sondern auch sinnreiche Interpretationsansätze […] Wow!

    Zeitschrift für Volkskunde (2010/1)

  • Was steckt dahinter, dass sich jeweils kurz nach Herbstbeginn zwischen Kiel und Flensburg, Aachen und Görlitz Menschen in Lederhose und Dirndl zwängen, um das sog. Oktoberfest zu feiern? Und welche Mechanismen wirken, dass inzwischen selbst ALDI entsprechende Trachtenkleidung anbietet? Diesen Fragen geht die Autorin am Beispiel der Münchner »Keimzelle« nach.

    kulturpolitische mitteilungen (139 - IV/2012)

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